Arbeiten und Promovieren am DIPF – wie geht das?

Professor Dr. Eckhard Klieme
Professor Dr. Eckhard Klieme

INTERVIEW Der wissenschaftliche Nachwuchs war diese Woche eines der großen Themen am DIPF. Das Institut hatte Professor Dr. Matthias Kleiner zu Gast, den Präsidenten der Leibniz-Gemeinschaft, der sich insbesondere um den Austausch mit den Doktorandinnen und Doktoranden bemühte. Aber was heißt es eigentlich, sich als junge Wissenschaftlerin oder als junger Wissenschaftler am DIPF zu bewerben? Was erwartet einen und welche Voraussetzungen sind notwendig – vor allem hinsichtlich einer Promotion? Studierende des Masterstudiengangs Erziehungswissenschaft der Frankfurter Goethe-Universität haben Fragen an DIPF-Vorstandsmitglied Professor Dr. Eckhard Klieme gestellt. Für seine Abteilung Bildungsqualität und Evaluation hat er ihnen ausführlich geantwortet.

Frage: Können Sie uns beschreiben, welchen Tätigkeiten Sie am DIPF nachgehen?“

Klieme: „Ich leite diejenige der fünf Abteilungen des DIPF, die sich mit Bildungsqualität und Evaluation befasst und rund 50 Mitarbeiter hat, darunter – mich eingeschlossen – fünf Professuren. Meine Hauptaufgabe ist es, Grundlagen- und Anwendungsprojekte der Bildungsforschung zu konzipieren, zu leiten, gemeinsam mit den Projektteams auszuwerten und zu publizieren. Viel Energie erfordert an einem überregional tätigen Institut wie dem DIPF auch die Koordination von Forschungsverbünden. Vor Ort spielt dabei das IDeA Zentrum eine wichtige Rolle, in dem DIPF und Goethe Universität zusammen zu frühkindlicher Bildung arbeiten. Auf nationaler Ebene bin ich in vielen wissenschaftlichen Gesellschaften und Gremien, auch in der Politikberatung aktiv, und auf internationaler Ebene vor allem in großen Schulleistungsstudien wie PISA. Am meisten Zeit erfordert derzeit die Entwicklung des umfangreichen Fragebogen-Programms für PISA 2015, die wir am DIPF verantworten.“

Frage: „Am DIPF besteht die Möglichkeit zur Promotion: Aus welchen Fachbereichen stammen die meisten Bewerberinnen und Bewerber und welche Rolle spielt dabei die Erziehungswissenschaft?“

Klieme: „Das DIPF hat insgesamt mehr als 300 Beschäftigte, darunter mehr als 60 Doktorandinnen und Doktoranden – über 20 allein in meiner Abteilung. Rund ein Drittel kommt aus der Erziehungswissenschaft, aber viele auch aus dem Fachbereich Psychologie, dem ich ebenfalls angehöre, und ein paar aus den Sozialwissenschaften. Ich freue mich sehr, wenn es mir gelingt, Studierende der Erziehungswissenschaft zu Abschlussarbeiten in unseren Projekten oder sogar zur Promotion am DIPF zu motivieren und zu qualifizieren. Wir schreiben Promotionsstellen grundsätzlich disziplinübergreifend aus. Leider scheitern Bewerberinnen und Bewerber aus der Erziehungswissenschaft oft an unzureichenden Methodenkenntnissen.“

Frage: „Was für besondere Kenntnisse braucht man denn als Bewerber oder Bewerberin in Ihrer Abteilung?“

Klieme: „Ich erwarte Kenntnisse in der Schulforschung, womit sich eigentlich alle meine Projekte beschäftigen, und sehr gute Kenntnisse quantitativer Forschungsmethoden – wozu auf jeden Fall multivariate Verfahren und möglichst auch Strukturgleichungsmodelle gehören. Und es ist förderlich, wenn jemand schon mal mit Mehr-Ebenen-Analysen oder Testskalierung Erfahrung gesammelt hat. In meiner Abteilung arbeiten wir mit wenigen Ausnahmen quantitativ– nicht weil wir etwas gegen qualitative Methoden haben, sondern weil wir uns fokussieren und unsere Kräfte darauf bündeln. Unsere Fragestellungen erfordern in der Regel komplexe statistische Verfahren, vor allem wenn es um pädagogische Diagnostik geht und um die Wirkungen pädagogischer Arbeit auf die Lernenden.“

Frage: „Welche Kompetenzen müssen Studierende mitbringen?“

Klieme: „Neben den genannten Kenntnissen erwarten wir intellektuelle Beweglichkeit, Neugier und Leistungsbereitschaft, eigenständiges und kreatives Denken sowie Offenheit für interdisziplinäres Arbeiten. Man muss Englisch zumindest fließend lesen und verstehen können, um sich mit der Fachliteratur und auf internationalen Konferenzen auseinandersetzen zu können. Aber man muss auch das Interesse und die Fähigkeit mitbringen, mit Schulen und Lehrkräften zu kommunizieren. Denn die sind wichtiger Partner unserer Studien. Außerdem legen wir viel Wert auf den Transfer unserer Ergebnisse in die Praxis.“

Frage: „Wie kann man sich bei Ihnen für eine Promotion ‚bewerben‘ und was erwartet die Studierenden in der Promotionsphase?“

Klieme: „Ich betreue nur in sehr seltenen Ausnahmefällen externe Promotionen, die jemand aus eigenem Interesse und mit eigener Finanzierung realisiert. Das ist in der quantitativen Schulforschung kaum möglich, weil man umfangreiche Daten braucht. Außerdem kann ich allein eine enge Betreuung nicht gewährleisten. Meine Promovierenden haben sich in der Regel auf ausgeschriebene Projektstellen beworben und arbeiten in Teams mit mir, den weiteren Projektleiterinnen und -leitern – alles Postdoktorandinnen und -doktoranden –, sowie anderen Doktorandinnen und Doktoranden zusammen. Zu den Teams gehören oft auch Partner außerhalb des DIPF, zum Beispiel aus der Fachdidaktik. Deshalb gehört zur Promotion bei uns immer auch Projektarbeit. Beispiele sind die Entwicklung von Untersuchungsinstrumenten, das Rekrutieren und Trainieren von Lehrkräften sowie die Aufbereitung von Daten. Das Thema der Dissertation ergibt sich dann im Verlauf der ersten Monate aus den eigenen Interessen und den Möglichkeiten des Projekts. Die Doktorandinnen und Doktoranden arbeiten drei oder vier, manchmal fünf Jahre an ihrer Promotion. Es wird erwartet, dass sie sich dieser Tätigkeit voll widmen und in der Regel mindestens vier Tage pro Woche im Büro sind.“

Frage: „Was zeichnet das DIPF dabei aus?“

Klieme: „Wir entlohnen besser als manch anderes Institut, bieten nicht nur Promotionsstipendien, sondern Zwei-Drittel-Verträge nach Tarif. Das DIPF zeichnet eine vorzügliche Arbeitsumgebung aus, mit vielen erfahrenen Fachleuten, die einem Anregungen geben und zum Beispiel bei Methodenfragen weiterhelfen. Unsere Doktorandinnen und Doktoranden können und müssen regelmäßig an nationalen und internationalen Tagungen teilnehmen und dort präsentieren. Am DIPF gibt es außerdem ein systematisches Förderprogramm. Es heißt PhDIPF. Wir möchten zudem, dass unsere Promovierenden in der fortgeschrittenen Phase für ein paar Monate ins Ausland gehen, und erschließen hierfür Finanzierungsmöglichkeiten.“

Frage: „Kommen Studierende mit den Anforderungen zu Recht?“

Klieme: „Ich denke, dass die meisten Studierenden in meinen Veranstaltungen die Anforderungen gut bewältigen können. Etliche können eigenständig arbeiten und sich in Themen vertiefen. Leider sehe ich auch in Abschlussprüfungen nur selten Studierende, die von sich aus tiefer nachforschen, sich wissenschaftliche Literatur aneignen und einen Blick für Zusammenhänge haben. Wenn es also darum geht, eine Promotion zu beginnen, zumal an einem international renommierten Institut wie dem DIPF, sind nur sehr wenige gerüstet. Tatsache ist, dass alle meine Promovierenden schon während des Studiums als Hilfskraft, oder im Rahmen von Abschlussarbeiten bei Forschungsprojekten mitgearbeitet haben – sei es am DIPF oder anderswo. Wer das nicht kennt, kann die Anforderungen an Theorie und Methodenkenntnisse, aber auch das Arbeitspensum, den oft bestehenden Zeitdruck in Projekten und die Enge der Zusammenarbeit kaum realistisch einschätzen.“

Frage: „Was sollte man zusätzlich tun, um zu promovieren?“

Klieme: „Auf jeden Fall die Abschlussarbeit in einem Forschungsprojekt und nicht als ’stand alone‘-Vorhaben schreiben. Wenn man in diese Zusammenhänge eintaucht, erhält man oft auch Gelegenheit, sich in Methoden einzuarbeiten, die an der Universität nicht oder nur knapp gelehrt werden.“

Fragen und Antworten sind so auch in unserem Journal DIPF informiert mit dem Schwerpunktthema „Junge Wissenschaft“ erschienen.

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