Ganztagsschule: Auf dem Weg zu einem repräsentativen Überblick

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Dr. Jasmin Decristan ist Habilitandin am DIPF und forscht im Bereich Unterricht und Schule.

DREI FRAGEN AN Dr. Jasmin Decristan, DIPF-Koordinatorin der von vier wissenschaftlichen Einrichtungen verantworteten Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen(StEG). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben im Frühjahr 2015 mehr als 1.500 Leiterinnen und Leiter von Ganztagsschulen online befragt. Im Februar sollen die Ergebnisse als repräsentatives Abbild der Ganztagsschullandschaft veröffentlicht werden.

Frage: „Was ist das Ziel der Online-Schulleitungsbefragung?“

Decristan: „Eine der Aufgaben von StEG ist es, möglichst umfassend über den aktuellen Stand des Ausbaus und der Gestaltung von Ganztagsschulen zu informieren. In den vergangenen zehn Jahren hat es einen rasanten Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen in Deutschland gegeben. Nach Statistiken der Kulturministerkonferenz gab es 2013 bereits mehr als 16.000 öffentliche und private Ganztagsschulen. Das ist ein Anteil von 59 Prozent aller Schulen. Diese Zahlen können wir mit der Schulleitungsbefragung um inhaltliche Punkte erweitern. Diese Art von Erhebung hatten wir 2012 schon einmal durchgeführt, so dass wir nun auch Entwicklungen im Trend aufzeigen können.

Wir haben uns in beiden Erhebungen auf vier Themenkomplexe konzentriert: Organisation und Strukturen, schulische Ressourcen, pädagogische Konzepte und Schulentwicklung sowie Angebot und Teilnahme. Um mal ein paar Beispiele zu nennen: Wir haben gefragt, wie verbindlich die Teilnahme am Ganztagsbetrieb ist, wie viele Lehrkräfte regelmäßig im Ganztag mitarbeiten, ob die Lehrerinnen und Lehrer sowie das weitere im pädagogischen Bereich tätige Personal an gemeinsamen Fortbildungen teilnehmen und ob sich nach die Nachfrage nach Ganztagsplätzen in den letzten Jahren verändert hat.“

Frage: „Warum wurden die Schulleitungen befragt, und nicht etwa Eltern oder die Lehrkräfte –  und wie genau kann man sich die Befragung vorstellen?“

Decristan: „Schulleitungen sind in den Schulen zentral verantwortliche Personen, die Schulbetrieb auf allen Ebenen eng begleiten und die gut erreichbar sind. Sie sollten zu all unseren Fragen zuverlässige Aussagen treffen können. Die Beantwortung dauerte im Schnitt etwas über 50 Minuten. Zum Einsatz kam ein Online-Fragebogen, der bereits 2012 zusammen mit dem DIPF-Forschungs- und Infrastrukturzentrum Technology Based Assessment entwickelt worden war und dieses Mal nur geringfügig angepasst wurde. Das Online-Vorgehen bringt zahlreiche Vorteile mit sich: So kann die Umsetzung sehr schnell und kostengünstig erfolgen. Außerdem liegen die Daten nach der Eingabe direkt in digitaler Form vor und müssen nicht vom Papier in den Computer übertragen werden.“

Frage: „Welche Forschungsfragen untersucht StEG noch?“

Decristan: „Wir wollen herausfinden, welche Rahmenbedingungen an Ganztagsschulen vorliegen und welche Wirkungen von Ganztagsschulen sich empirisch nachweisen lassen. Dazu konnten wir auch schon einige bemerkenswerte Untersuchungsergebnisse vorlegen. So kann der Besuch einer Ganztagsschule beispielsweise das Sozialverhalten der Schulkinder positiv beeinflussen und das Risiko einer Klassenwiederholung verringern. Einer hohen pädagogischen Qualität der Angebote wird hohe Bedeutung beigemessen. Die Bedeutung von Bildungsqualität und die Wirkungen außerunterrichtlicher Angebote untersuchen wir derzeit in mehreren Einzelstudien eingehender. Auch dazu werden wir im Frühjahr 2016 entsprechende Ergebnisse veröffentlichen.“ (ps)

Der Schwerpunkt des aktuellen Institutsmagazins DIPF informiert Nr. 22 dreht sich um wissenschaftliche Evaluationen von Bildungsreformen. Einer der Berichte stellt die Konzeption und das Vorgehen der StEG-Schulleitungsbefragung genauer vor.

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