Qualität in der Ganztagsschule: Wie Wissenschaft und Praxis zusammenarbeiten

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Hausaufgabenbetreuung und Lernzeiten spielen in der Ganztagsschulentwicklung eine wichtige Rolle. Foto: pictworks / Fotolia

Nach dem „PISA-Schock“ im Jahr 2000 rückte der Auf- und Ausbau schulischer Ganztagsangebote in Deutschland in das Blickfeld der Bildungspolitik. Die ergriffenen Maßnahmen werden in der öffentlichen Diskussion immer wieder unter die Lupe genommen und auch die Bildungsforschung befasst sich verschiedentlich mit der pädagogischen Qualität an Ganztagsschulen. Seit 2005 begleitet die Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) die Entwicklungen wissenschaftlich. Im Rahmen der Studie werden unter anderem regelmäßig die Schulleitungen von Ganztagsschulen in ganz Deutschland befragt und Untersuchungen zur Qualität, zu den Wirkungen und zu den Fördermöglichkeiten von Ganztagsangeboten durchgeführt. Aktuell befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und der Universität Kassel  im Teilprojekt StEG-Tandem mit der Konzeption und Evaluation von Schulentwicklungsmaßnahmen zur Gestaltung von Lern- und Übungszeiten an Ganztagsschulen. Katrin Heyl und Prof. Dr. Natalie Fischer von der Universität Kassel skizzieren, wie das Projekt dabei hilft, kooperative Strukturen bei der Hausaufgabenbetreuung und in den Lernzeiten einzuführen. Weiterlesen

Entwicklungsverläufe von Kindern verstehen – Bildungsforschung am Frankfurter IDeA-Zentrum

Dr. Ulrike Hartmann
Foto: Andrea Herzog

Dr. Ulrike Hartmann ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Bildungsforschung in der School of Education der Bergischen Universität Wuppertal. Bis 2016 hat sie am DIPF die Koordination des IDeA-Zentrums geleitet. Das Center for Research on Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk ist ein interdisziplinäres wissenschaftliches Zentrum zur Erforschung der Lernprozesse von Kindern, deren Bildungserfolg gefährdet ist. Ziel ist es, die Erkenntnisse zu generieren, die zur Verbesserung individueller Lernchancen beitragen können. Nun ist ein Sammelband mit den Ergebnissen ausgewählter Forschungsprojekte aus den ersten sechs Jahren des IDeA-Zentrums im Kohlhammer Verlag erschienen. Im Interview erläutert Mitherausgeberin Hartmann die Zielsetzung von IDeA, gibt einen Vorgeschmack auf die Inhalte des Buches und verrät uns, wie lange es dauert, bis aus den Beiträgen von über 60 Personen ein Sammelband wird.

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Bachelorarbeit am DIPF: Eine achtsame Entscheidung

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Jens-Steffen Scherer hat ein halbes Jahr am DIPF gearbeitet und hier seine Bachelorarbeit geschrieben.

WEGE IN DIE WISSENSCHAFT Jens-Steffen Scherer schließt gerade in Mannheim seinen Bachelor in Psychologie ab. Seine Bachelorarbeit hat der 23-Jährige als Praktikant am IDeA-Zentrum des DIPF geschrieben. Dem DIPFblog erklärt er, wie es dazu kam:

„Während meines Studiums habe ich festgestellt, dass ich mich für individuelle Lernvoraussetzungen und Bildungsfragen interessiere. Bei einer Internetrecherche gegen Ende meines Studiums bin ich auf das DIPF gestoßen und habe mich initiativ für ein Praktikum bei der Abteilung Bildung und Entwicklung beworben. Da mir bei meiner Abschlussarbeit wichtig war, einer eigenen Forschungsfrage nachzugehen, hat sich das Naheliegende ergeben: Ich konnte diese Arbeit am DIPF schreiben und eine Achtsamkeitsstudie durchführen.

Es hat wirklich alles gepasst: der Zeitpunkt, die Betreuung durch Sven Lindberg und die Forschungsumgebung. Dafür bin ich extra von Mannheim nach Frankfurt gezogen und habe insgesamt ein halbes Jahr am DIPF gearbeitet. Während der Interventionsphase meiner Studie haben ich und mein Team zwei Wochen lang täglich für 15 Minuten an einer Gesamtschule in Frankfurt Kurzzeit-Trainings zur Steigerung der Achtsamkeit mit den Schülerinnen und Schülern gemacht und anschließend evaluiert. Achtsamkeit ist eine besondere Form der Aufmerksamkeit, bei der es darum geht, den gegenwärtigen Moment wahrzunehmen, ohne ihn zu bewerten. Achtsamkeit in Schulen zu implementieren erscheint besonders vielversprechend, weil viele Auswirkungen mit dem Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler zusammenhängen. Meine Ergebnisse weisen darauf hin, dass für den Erfolg die Motivation der Kinder vorhanden sein muss. Außerdem liegt die Vermutung nahe, dass sich positive Effekte erst längerfristig einstellen.

Als nächstes werde ich nun von Neuseeland aus durch Südostasien reisen und bewusst einen Schritt zurücktreten, um aus einem anderen Blickwinkel neue Pläne schmieden. Momente zur Achtsamkeit – oder ‚mindfulness‘, wie es präziser auf  Englisch heißt – werden dabei sicherlich auch entscheidend sein.“

Neben der theoretischen Ausbildung an den Hochschulen sind Praktika für Studierende wichtig, um eine Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen. Durch ein Praktikum am DIPF (max. sechs Monate) können sich Studierende der Pädagogik, Soziologie und Psychologie oder Studierende aus den Bereichen Informations- und Kommunikationswissenschaften, Dokumentations- oder Bibliothekswesen durch Mitarbeit an Projekten oder im Tagesgeschäft effizient und wirklichkeitsnah auf das Berufsleben vorbereiten.

Anfragen nach einer Praktikumsstelle können an die in Projekten angegebenen Ansprechpartner/ Ansprechpartnerinnen oder die Abteilungssekretariate gerichtet werden.

(te)

Ganztagsschule: Auf dem Weg zu einem repräsentativen Überblick

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Dr. Jasmin Decristan ist Habilitandin am DIPF und forscht im Bereich Unterricht und Schule.

DREI FRAGEN AN Dr. Jasmin Decristan, DIPF-Koordinatorin der von vier wissenschaftlichen Einrichtungen verantworteten Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen(StEG). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben im Frühjahr 2015 mehr als 1.500 Leiterinnen und Leiter von Ganztagsschulen online befragt. Im Februar sollen die Ergebnisse als repräsentatives Abbild der Ganztagsschullandschaft veröffentlicht werden.

Frage: „Was ist das Ziel der Online-Schulleitungsbefragung?“

Decristan: „Eine der Aufgaben von StEG ist es, möglichst umfassend über den aktuellen Stand des Ausbaus und der Gestaltung von Ganztagsschulen zu informieren. In den vergangenen zehn Jahren hat es einen rasanten Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen in Deutschland gegeben. Nach Statistiken der Kulturministerkonferenz gab es 2013 bereits mehr als 16.000 öffentliche und private Ganztagsschulen. Das ist ein Anteil von 59 Prozent aller Schulen. Diese Zahlen können wir mit der Schulleitungsbefragung um inhaltliche Punkte erweitern. Diese Art von Erhebung hatten wir 2012 schon einmal durchgeführt, so dass wir nun auch Entwicklungen im Trend aufzeigen können. Weiterlesen

Was uns statistische Zwillinge über das Wohlbefinden von Schulkindern erzählen

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Scheinbar einfache Fragen – und komplexe Antworten. So ist es in der Wissenschaft häufig. Warum? Wir haben Bildungsforscher Dr. Marko Neumann von unserer Abteilung Struktur und Steuerung des Bildungswesens gebeten, uns anhand eines Beispiels zu erklären, wie ein Autorenteam folgende Frage wissenschaftlich beantwortet:

Hat die besuchte Schulform einen Einfluss auf das Wohlbefinden von Schulkindern nach dem Übertritt von der Grundschule?

Neumann: „Wir sind im Rahmen eines Dissertationsprojektes der Frage nachgegangen, ob die besuchte Schulform einen Einfluss auf das Wohlbefinden von Schulkindern hat. Eigentlich eine leicht zu beantwortende Frage, wie man meinen könnte. Aber: Wenn sich Kinder an einer bestimmten Schulform, also zum Beispiel an einem Gymnasium oder einer Gesamtschule, nach dem Übergang mehr oder weniger wohl fühlen – liegt das dann tatsächlich an der Schulform? Oder lassen sich Unterschiede im Wohlbefinden eher durch Merkmale der Kinder selbst erklären? Das wären z.B. ihr Wohlbefinden oder ihre schulischen Leistungen vor dem Übergang oder ihre familiärer Hintergrund. Noch komplexer wird die Sache, wenn man bedenkt, dass es nicht ganz leicht ist festzulegen, was ‚Wohlbefinden‘ eigentlich ist und wie man es ‚messen‘ kann. Entsprechend wichtig ist es, die Frage mit den geeigneten wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen und sich kritisch mit den erzielten Erkenntnissen auseinanderzusetzen, um keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.

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Eine wissenschaftliche Begleitung „betritt Neuland“

DREI FRAGEN AN Dr. Marko Neumann und Susanne Böse, Forschende am DIPF. Sie gehören unter anderem zu dem Institutsteam, das das Berliner Bonus-Programm wissenschaftlich begleitet. Mit dem Programm will das Land Berlin Schulen in besonders schwieriger sozialer Lage mit zusätzlichen finanziellen Mitteln helfen, ihre Schülerinnen und Schüler besser zu fördern. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DIPF schauen sich diese Initiative genauer an.

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Marko Neumann und Susanne Böse

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„Dyslexic readers face different challenges in reading of different orthographies“

Dr. Irit Bar-Kochva is a scholarship holder at DIPF.
Dr. Irit Bar-Kochva is a scholarship holder at DIPF.

THREE QUESTIONS TO Irit Bar-Kochva, scholarship holder at DIPF, researches the development of successful learning and specifically lexical intervention in reading. In our interview, she explains why German and Spanish children learn reading very fast compared to English pupils and how readers who struggle with dyslexia might be helped.

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Perspektivwechsel auf Irisch

Dr. Anett Wolgast
Dr. Anett Wolgast

Manchmal wird Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vorgeworfen, die Anbindung an die Praxis aus den Augen zu verlieren. Wir können hier nicht die gesamte Wissenschaft verteidigen, möchten aber an dieser Stelle exemplarisch unsere Mitarbeiterin Dr. Anett Wolgast vorstellen: Wolgast ist in der Abteilung Bildungsqualität und Evaluation tätig und arbeitet dort aktuell unter anderem am Projekt StEG – Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen mit. Für ein zukünftiges Projekt plant sie eine Grundlage für ein Trainingsprogramm, das Lehramtsstudierenden und Lehrkräften dabei helfen kann, zwischen ihren eigenen Zielen, Werten und Bedürfnissen und denen von Kindern zu unterscheiden. Diese Unterscheidung dient der bedürfnisorientierten Förderung von Kindern. Der Weg dorthin führte sie zu einer Zwischenstation nach Irland. Weiterlesen