Wissenschaftliche Unterstützung bei der Integration in den Arbeitsmarkt

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Viele Arbeitssuchende in Deutschland bringen auch ohne anerkannten Ausbildungsabschluss Erfahrungen und Fertigkeiten in Berufen mit. Das trifft zum Beispiel auf Zugewanderte zu, die ihre Qualifikationen nicht nachweisen können. Diese Kompetenzen soll das neue, computergestützte Testverfahren MYSKILLS sichtbar machen. Entwickelt hat es die Bundesagentur für Arbeit gemeinsam mit der Bertelsmann-Stiftung. Das Verfahren ist in sechs Sprachen verfügbar und vor kurzem bundesweit in den Arbeitsagenturen und Jobcentern angelaufen – für zunächst acht Berufe. Weitere folgen demnächst. Die Testergebnisse sollten helfen, die Teilnehmenden in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Zum Gelingen von MYSKILLS tragen auch zwei wissenschaftliche Teams des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) bei. Dabei geht es zum einen um die Methodik der Tests, zum anderen um das für die Tests genutzte technische System. Prof. Dr. Johannes Hartig und Prof. Dr. Frank Goldhammer gehören jeweils zum Leitungskreis eines der beiden Teams. Im Interview erläutern die beiden Forscher genauer, wie das Institut das Erfassen der beruflichen Kompetenzen unterstützt.

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Qualität in der Ganztagsschule: Wie Wissenschaft und Praxis zusammenarbeiten

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Hausaufgabenbetreuung und Lernzeiten spielen in der Ganztagsschulentwicklung eine wichtige Rolle. Foto: pictworks / Fotolia

Nach dem „PISA-Schock“ im Jahr 2000 rückte der Auf- und Ausbau schulischer Ganztagsangebote in Deutschland in das Blickfeld der Bildungspolitik. Die ergriffenen Maßnahmen werden in der öffentlichen Diskussion immer wieder unter die Lupe genommen und auch die Bildungsforschung befasst sich verschiedentlich mit der pädagogischen Qualität an Ganztagsschulen. Seit 2005 begleitet die Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) die Entwicklungen wissenschaftlich. Im Rahmen der Studie werden unter anderem regelmäßig die Schulleitungen von Ganztagsschulen in ganz Deutschland befragt und Untersuchungen zur Qualität, zu den Wirkungen und zu den Fördermöglichkeiten von Ganztagsangeboten durchgeführt. Aktuell befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und der Universität Kassel  im Teilprojekt StEG-Tandem mit der Konzeption und Evaluation von Schulentwicklungsmaßnahmen zur Gestaltung von Lern- und Übungszeiten an Ganztagsschulen. Katrin Heyl und Prof. Dr. Natalie Fischer von der Universität Kassel skizzieren, wie das Projekt dabei hilft, kooperative Strukturen bei der Hausaufgabenbetreuung und in den Lernzeiten einzuführen. Weiterlesen

Bildung lohnt sich auf dem Arbeitsmarkt – aber nicht immer in gleicher Weise

Die Erträge von Bildung auf dem Arbeitsmarkt stehen im Mittelpunkt des letzten Beitrags unserer Blog-Serie über die Ergebnisse des nationalen Bildungsberichts. Professorin Dr. Susan Seeber von der Georg-August-Universität Göttingen und Professor Dr. Martin Baethge vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen legen dar, welchen Einfluss der Bildungsstand auf Erwerbsbeteiligung,  Einkommen und berufliche Position hat. Zugleich legen sie dar, dass diese Erträge je nach sozialer Gruppe, Geschlecht, Region, beruflicher Fachrichtung und inhaltlicher Passung von Ausbildung und Beschäftigung unterschiedlich ausfallen können:

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In den vergangenen Jahren war in Deutschland ein deutlicher Anstieg der Erwerbsbeteiligung der 25- bis unter 65-Jährigen zu beobachten. Foto: contrastwerkstatt – Fotolia.com

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Erwerbsstruktur in Familien – so verteilen sich die Rollen

Ein weiterer Teil unserer Blog-Serie über die Ergebnisse des aktuellen nationalen Bildungsberichtes steht nun online zur Verfügung. Professorin Dr. Ulrike Rockmann von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport Berlin sowie Dr. Holger Leerhoff und Thomas Lehmann vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg skizzieren die Erwerbssituation  in Familien mit Kindern und gehen dabei unter anderem auf den Stand des männlichen Alleinverdienermodells ein:

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In fast der Hälfte der Familien ist der Mann in Vollzeit und die Frau in Teilzeit beschäftigt. Foto: Flairimages – Fotolia

„Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in den vergangenen Jahren mehr und mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Tradierte Rollenverhältnisse wurden hinterfragt, die Möglichkeiten und Notwendigkeiten zur Erwerbstätigkeit neu bewertet. So eröffneten sich im Zuge der zunehmenden Gleichberechtigung und Akzeptanz der frühkindlichen Bildung sowie der erweiterten Angebote vor der Einschulung und später in der Schule Möglichkeiten für die Erwerbstätigkeit beider Elternteile – wenn auch mit deutlichen regionalen Unterschieden. Gleichzeitig ergab sich vielfach aus ökonomischen Zwängen die Notwendigkeit, dass beide Partner Geld verdienen, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Im Folgenden soll die aktuelle Situation betrachtet werden.

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So entsteht die Bestandsaufnahme des deutschen Bildungswesens

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Dr. Stefan Kühne ist wissenschaftlicher Koordinator der nationalen Bildungsberichterstattung.

Im Juni erscheint die aktuelle Ausgabe des alle zwei Jahre veröffentlichten nationalen Bildungsberichts. Welche Arbeit in dem Werk steckt und wer alles daran beteiligt ist, darüber berichtet hier DIPF-Mitarbeiter Dr. Stefan Kühne, der wissenschaftliche Koordinator der nationalen Bildungsberichterstattung.

Zum Hintergrund: Der Bericht liefert regelmäßig eine fundierte Bestandsaufnahme des gesamten Bildungswesens mit all seinen Bereichen – von der Kita bis zur Weiterbildung. Zusätzlich beleuchtet der von der Kultusministerkonferenz und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Bericht jedes Mal einen wechselnden Schwerpunkt. 2014 war das die Bildung von Menschen mit Behinderungen und in der neuen Ausgabe geht es im Schwerpunktkapitel um das Thema „Bildung und Migration“. Insgesamt erstrecken sich die Texte, Grafiken und Tabellen, die sich auf aktuelle und repräsentative Daten der amtlichen Statistik oder aus großen Erhebungen der empirischen Bildungs- und Sozialforschung beziehen, auf mehr als 300 Seiten. Stefan Kühne erläutert das Zustandekommen:

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Bachelorarbeit am DIPF: Eine achtsame Entscheidung

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Jens-Steffen Scherer hat ein halbes Jahr am DIPF gearbeitet und hier seine Bachelorarbeit geschrieben.

WEGE IN DIE WISSENSCHAFT Jens-Steffen Scherer schließt gerade in Mannheim seinen Bachelor in Psychologie ab. Seine Bachelorarbeit hat der 23-Jährige als Praktikant am IDeA-Zentrum des DIPF geschrieben. Dem DIPFblog erklärt er, wie es dazu kam:

„Während meines Studiums habe ich festgestellt, dass ich mich für individuelle Lernvoraussetzungen und Bildungsfragen interessiere. Bei einer Internetrecherche gegen Ende meines Studiums bin ich auf das DIPF gestoßen und habe mich initiativ für ein Praktikum bei der Abteilung Bildung und Entwicklung beworben. Da mir bei meiner Abschlussarbeit wichtig war, einer eigenen Forschungsfrage nachzugehen, hat sich das Naheliegende ergeben: Ich konnte diese Arbeit am DIPF schreiben und eine Achtsamkeitsstudie durchführen.

Es hat wirklich alles gepasst: der Zeitpunkt, die Betreuung durch Sven Lindberg und die Forschungsumgebung. Dafür bin ich extra von Mannheim nach Frankfurt gezogen und habe insgesamt ein halbes Jahr am DIPF gearbeitet. Während der Interventionsphase meiner Studie haben ich und mein Team zwei Wochen lang täglich für 15 Minuten an einer Gesamtschule in Frankfurt Kurzzeit-Trainings zur Steigerung der Achtsamkeit mit den Schülerinnen und Schülern gemacht und anschließend evaluiert. Achtsamkeit ist eine besondere Form der Aufmerksamkeit, bei der es darum geht, den gegenwärtigen Moment wahrzunehmen, ohne ihn zu bewerten. Achtsamkeit in Schulen zu implementieren erscheint besonders vielversprechend, weil viele Auswirkungen mit dem Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler zusammenhängen. Meine Ergebnisse weisen darauf hin, dass für den Erfolg die Motivation der Kinder vorhanden sein muss. Außerdem liegt die Vermutung nahe, dass sich positive Effekte erst längerfristig einstellen.

Als nächstes werde ich nun von Neuseeland aus durch Südostasien reisen und bewusst einen Schritt zurücktreten, um aus einem anderen Blickwinkel neue Pläne schmieden. Momente zur Achtsamkeit – oder ‚mindfulness‘, wie es präziser auf  Englisch heißt – werden dabei sicherlich auch entscheidend sein.“

Neben der theoretischen Ausbildung an den Hochschulen sind Praktika für Studierende wichtig, um eine Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen. Durch ein Praktikum am DIPF (max. sechs Monate) können sich Studierende der Pädagogik, Soziologie und Psychologie oder Studierende aus den Bereichen Informations- und Kommunikationswissenschaften, Dokumentations- oder Bibliothekswesen durch Mitarbeit an Projekten oder im Tagesgeschäft effizient und wirklichkeitsnah auf das Berufsleben vorbereiten.

Anfragen nach einer Praktikumsstelle können an die in Projekten angegebenen Ansprechpartner/ Ansprechpartnerinnen oder die Abteilungssekretariate gerichtet werden.

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„OER immun gegenüber Einfluss durch Unternehmen“

DREI FRAGEN AN Axel Kühnlenz und Ingo Blees vom Informationszentrum Bildung (IZB) des DIPF, an dem neben zentralen Forschungs- und Informationsinfrastrukturen auch der Deutsche Bildungsserver koordiniert wird, beantworten Fragen zum Einfluss von Unternehmen auf Unterrichtsmaterialien, die Qualitätsstandards der einzelnen Portale des Bildungsservers und was sich durch die Open Educational Resources (OER) ändert.

Frage: „Der Deutsche Bildungsserver verfügt über unterschiedliche Portale, einen Newsletter und Dossiers zu aktuellen Themen. Unter anderem kann man bei Euch auch nach Unterrichtsmaterialien, Projektangeboten, Weiterbildungsangeboten, nützlichen Kontakten und anderen Informationen rund um Bildung suchen. Auch Nutzerinnen und Nutzer können etwas einstellen. Nach welchen Kriterien entscheidet Ihr, welche Links und Hinweise aufgenommen werden, beziehungsweise stehen bleiben können?“

Ingo Blees: „Sämtliche Einträge sind bei uns händisch und intellektuell geprüft, das heißt, wir beschäftigen dafür qualifizierte, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Derzeit sind es im engeren Sinne acht Bildungsserver-Redakteurinnen und -Redakteure an der Koordinierungsstelle hier am IZB des DIPF, die laufend Einträge ergänzen und aktualisieren oder Veraltetes löschen. Weiterlesen

Ganztagsschule: Auf dem Weg zu einem repräsentativen Überblick

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Dr. Jasmin Decristan ist Habilitandin am DIPF und forscht im Bereich Unterricht und Schule.

DREI FRAGEN AN Dr. Jasmin Decristan, DIPF-Koordinatorin der von vier wissenschaftlichen Einrichtungen verantworteten Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen(StEG). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben im Frühjahr 2015 mehr als 1.500 Leiterinnen und Leiter von Ganztagsschulen online befragt. Im Februar sollen die Ergebnisse als repräsentatives Abbild der Ganztagsschullandschaft veröffentlicht werden.

Frage: „Was ist das Ziel der Online-Schulleitungsbefragung?“

Decristan: „Eine der Aufgaben von StEG ist es, möglichst umfassend über den aktuellen Stand des Ausbaus und der Gestaltung von Ganztagsschulen zu informieren. In den vergangenen zehn Jahren hat es einen rasanten Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen in Deutschland gegeben. Nach Statistiken der Kulturministerkonferenz gab es 2013 bereits mehr als 16.000 öffentliche und private Ganztagsschulen. Das ist ein Anteil von 59 Prozent aller Schulen. Diese Zahlen können wir mit der Schulleitungsbefragung um inhaltliche Punkte erweitern. Diese Art von Erhebung hatten wir 2012 schon einmal durchgeführt, so dass wir nun auch Entwicklungen im Trend aufzeigen können. Weiterlesen

Was uns statistische Zwillinge über das Wohlbefinden von Schulkindern erzählen

Foto: Ermolaev Alexandr – fotolia

Scheinbar einfache Fragen – und komplexe Antworten. So ist es in der Wissenschaft häufig. Warum? Wir haben Bildungsforscher Dr. Marko Neumann von unserer Abteilung Struktur und Steuerung des Bildungswesens gebeten, uns anhand eines Beispiels zu erklären, wie ein Autorenteam folgende Frage wissenschaftlich beantwortet:

Hat die besuchte Schulform einen Einfluss auf das Wohlbefinden von Schulkindern nach dem Übertritt von der Grundschule?

Neumann: „Wir sind im Rahmen eines Dissertationsprojektes der Frage nachgegangen, ob die besuchte Schulform einen Einfluss auf das Wohlbefinden von Schulkindern hat. Eigentlich eine leicht zu beantwortende Frage, wie man meinen könnte. Aber: Wenn sich Kinder an einer bestimmten Schulform, also zum Beispiel an einem Gymnasium oder einer Gesamtschule, nach dem Übergang mehr oder weniger wohl fühlen – liegt das dann tatsächlich an der Schulform? Oder lassen sich Unterschiede im Wohlbefinden eher durch Merkmale der Kinder selbst erklären? Das wären z.B. ihr Wohlbefinden oder ihre schulischen Leistungen vor dem Übergang oder ihre familiärer Hintergrund. Noch komplexer wird die Sache, wenn man bedenkt, dass es nicht ganz leicht ist festzulegen, was ‚Wohlbefinden‘ eigentlich ist und wie man es ‚messen‘ kann. Entsprechend wichtig ist es, die Frage mit den geeigneten wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen und sich kritisch mit den erzielten Erkenntnissen auseinanderzusetzen, um keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.

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Wie ist die Erfolgsgeschichte der empirischen Bildungsforschung zu bewerten?

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Fotos: Uwe Dettmar, Goethe-Universität Frankfurt

Für das Wissenschaftsmagazin „Forschung Frankfurt“ der Goethe-Universität hat Ulrike Jaspers, Referentin für Wissenschaftkommunikation, mit Erziehungswissenschaftler Professor Dr. Andreas Gruschka (Universität Frankfurt) und Professor Dr. Eckhard Klieme (DIPF) über Messen im Klassenraum, Bedeutung von Erziehung, Zynismus im Unterricht und vieles mehr diskutiert –  ein (Streit-)Gespräch über die Erfolgsgeschichte der empirischen Bildungsforschung.

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