Neue Vielfalt im deutschen Hochschulsystem?

In wenigen Wochen erscheint eine neue Ausgabe des Magazins DIPF informiert, die sich den Befunden des aktuellen nationalen Bildungsberichts widmet: In zahlreichen Beiträgen geben die Autorinnen und Autoren des Berichts gemeinsam mit weiteren Expertinnen und Experten einen kompakten Überblick über Trends, Herausforderungen und Perspektiven in den einzelnen Bildungsbereichen. Einen ersten Beitrag von Prof. Dr. Andrä Wolter von der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) sowie Dr. Christian Kerst, ebenfalls vom DZHW, können Sie bereits jetzt in unserem Blog lesen:

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Studierende im Hörsaal: In den vergangenen Jahren ist die Beteiligung an akademischer Bildung nicht nur weltweit, sondern gerade auch in Deutschland stark angestiegen. Foto: kasto – Fotolia

„Im internationalen Vergleich galt das deutsche Hochschulwesen lange als Beispiel für ein recht homogenes System. Dies war zum einen darauf zurückzuführen, dass Deutschland im Kreis der OECD-Länder zwar eine seit den 1960er Jahren kontinuierlich wachsende, international betrachtet aber weit unterdurchschnittliche Studierquote aufwies. Zum anderen wurden institutionelle Unterschiede innerhalb der beiden Sektoren des deutschen Hochschulsystems – Fachhochschulen und Universitäten – als relativ gering und eher informell angesehen, und die Zahl privater Einrichtungen war äußerst klein. In den vergangenen Jahren ist aber die Beteiligung an akademischer Bildung nicht nur weltweit, sondern gerade auch in Deutschland stark angestiegen. Die Frage ist, ob mit dieser Expansion auch ein Wandel in der Struktur des Hochschulsystems und der Zusammensetzung der Studierenden verbunden ist, der sich als Diversifizierung oder Heterogenisierung beschreiben lässt. Dieser Frage geht der folgende Beitrag sowohl für die Seite des Angebots (Hochschulen und Studiengänge), als auch für die Nachfrageseite (Teilnehmerinnen und Teilnehmer) nach.

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„Rising awareness for the importance of critical reading“

Professor Dominique Lafontaine is an associate and regular visitor to DIPF. Since a sabbatical in 2012, the expert for reading literacy, comparative studies, teaching and learning processes, quantitative methods, development of cognitive and non-cognitive instruments has kept close ties with the institute. During a stay in Frankfurt earlier this year, she talked to dipfblog.com about the cooperation of her research center – the aSPe (Analysis of Systems and Practices in Education) – and the German PISA team at DIPF.

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Dominique Lafontaine is currently president of the Department Education and Training and of the research unit Evaluation and quality in education (EQUALE) at Université de Liège. She has been involved in several large-scale assessment programs, both at a national and international level – among them PISA.

Question: “What is your relation with DIPF? How did you get in contact?”

Lafontaine: “In 2012, I made a sabbatical six months stay at DIPF. I had met Eckhard Klieme a couple of times in PISA and EARLI biannual meetings, and I appreciated a lot his expertise about comparative international studies. During my stay, I was mainly involved in the PISA 2015 contextual questionnaires development, collaborating with Nina Jude, Susanne Kuger, Sonja Bayer and Svenja Vieluf. I was also involved in different activities such as the PHDipf Academy, the DFG research group… It was very fruitful to discover the DIPF – this famous research center, and to notice the amount of permanent resources dedicated to research in education in Germany.  Obviously, I had some goals for my research stay, but the benefits were beyond my expectations. The main and unexpected benefit was reminding me the importance of theoretical foundations. I had been involved in international studies since the early nineties as a national project manager in IEA studies and then in PISA, I was also a member of the PISA reading expert group since the beginning of PISA 2000, so I had a long experience in the development of questionnaires. At DIPF, I learned how paramount it is to be rigorous at the conceptual level, how to articulate constructs and empirical data, and became more aware about methodological issues such as response styles and cross-cultural biases. In addition, before coming at DIPF, I did not know that one of Klieme’s main interests was teaching processes, which is also a subject I teach at the Université de Liège. I also observed how Professor Klieme supervises and supports the researchers and especially the Ph-D students. I was really impressed by his capacity to support the scholars‘ own thinking and development, and I learned from him. After six months, I felt quite a strong sense of belonging to the DIPF, and beyond professional relationships, I have some strong bonds of friendships with several people here. Individual collaborations are still going on (joint communications and papers), and I am still involved in some activities such as the PHDipf-academy. I am an associate partner of the DIPF. In 2014, Professor Klieme was made docteur Honoris causa of University of Liège, so the links are strong and in both directions.”

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So entsteht die Bestandsaufnahme des deutschen Bildungswesens

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Dr. Stefan Kühne ist wissenschaftlicher Koordinator der nationalen Bildungsberichterstattung.

Im Juni erscheint die aktuelle Ausgabe des alle zwei Jahre veröffentlichten nationalen Bildungsberichts. Welche Arbeit in dem Werk steckt und wer alles daran beteiligt ist, darüber berichtet hier DIPF-Mitarbeiter Dr. Stefan Kühne, der wissenschaftliche Koordinator der nationalen Bildungsberichterstattung.

Zum Hintergrund: Der Bericht liefert regelmäßig eine fundierte Bestandsaufnahme des gesamten Bildungswesens mit all seinen Bereichen – von der Kita bis zur Weiterbildung. Zusätzlich beleuchtet der von der Kultusministerkonferenz und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Bericht jedes Mal einen wechselnden Schwerpunkt. 2014 war das die Bildung von Menschen mit Behinderungen und in der neuen Ausgabe geht es im Schwerpunktkapitel um das Thema „Bildung und Migration“. Insgesamt erstrecken sich die Texte, Grafiken und Tabellen, die sich auf aktuelle und repräsentative Daten der amtlichen Statistik oder aus großen Erhebungen der empirischen Bildungs- und Sozialforschung beziehen, auf mehr als 300 Seiten. Stefan Kühne erläutert das Zustandekommen:

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Vom Seminar zur Juniorprofessur

FRAGEN AN Professor Johannes Hartig, der im Interview erklärt, warum vom Engagement des DIPF in der Lehre Studierende, Qualifikanten und Institut profitieren.

Frage: „Warum engagiert sich ein Forschungsinstitut wie das DIPF in der Lehre?“

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Professor Johannes Hartig unterrichtet in diesem Semester Forschungsmethoden im Master und Statistik im Bachelor Psychologie. Dabei rekrutiert er schon mal zukünftige Professorinnen.

Hartig: „Zum einen hält die Beteiligung an der Lehre das Verhältnis zum Fachbereich aufrecht. Da wir ein interdisziplinäres Institut sind, sind das ganz unterschiedliche Fachbereiche an unterschiedlichen Universitäten. Unsere Professorinnen und Professoren sind zur Lehre verpflichtet. Da jede der DIPF-Professuren an einem Unifachbereich angesiedelt ist, ist damit selbstverständlich ein Lehrdeputat verbunden. Aber nicht nur wir Professorinnen und Professoren geben Seminare und halten Vorlesungen, auch unsere Post-Docs und Promovierenden sind beteiligt. Für sie ist diese Beteiligung ein wichtiger Teil ihrer wissenschaftlichen Qualifikation – wer plant, am DIPF zu habilitieren oder seine Doktorarbeit zu schreiben, kann also durchaus auch Lehrerfahrung sammeln. Wir haben in vieler Hinsicht sehr gute Arbeitsbedingungen für die wissenschaftliche Qualifikation. Deshalb ist es uns außerdem wichtig, dass unserem wissenschaftlichen Nachwuchs in der weiteren Laufbahn kein Nachteil entsteht, nur weil er nach der Qualifikationsphase ohne Lehrerfahrung dastünde. Noch etwas: Unsere Qualifikanten bekommen formale Lehraufträge, die zum Teil sogar vergütet sind – wie ein Nebenjob sozusagen.“

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„Individuelle Förderung – am besten den ganzen Tag lang“

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Dr. Monika Mattes

FRAGEN AN Warum es diese Einsicht in Deutschland schwer hatte, der Westen des Landes über Jahrzehnte international einen Sonderweg gegangen ist und wie diese Entwicklung im Ost-West-Konflikt begründet liegt, erklärt die DIPF-Bildungshistorikerin Dr. Monika Mattes im Interview.

Frage: „Ein Konsortium aus Wissenschaftlern, an dem auch Kolleginnen und Kollegen vom DIPF beteiligt sind, legt dieser Tage neue Ergebnisse der StEG-Studie vor. Sie selbst haben Jahre lang zur Ganztagsschule an einer eigenen Studie geforscht – aus einer historischen Perspektive. Wo steht die Entwicklung, wenn man den historischen Abgleich betrachtet?“

Mattes: „Ich würde aktuell von einer Reformphase sprechen, die mit dem Investitionsprogramm der rot-grünen Regierung 2003 zum Ausbau von Ganztagsschulen begonnen hat – auch in Reaktion auf das schlechte Abschneiden Deutschlands in der ersten PISA-Studie 2000. Das 4 Milliarden-Investitionsprogramm markiert eine Weichenstellung für mehr Ganztagsschulen und eine deutliche Abkehr von der bisherigen westdeutschen Tradition als Halbtagsschulland.“

Frage: „Liegt in dieser Tradition auch die erschwerte Einführung der Ganztagsschule in Deutschland begründet?“

Kramsdorf, Krippenkinder beim Essen
Westdeutsches Schreckensbild: Kinder in einem Hort im Kreis Weimar 1989. Inder DDR war die Kombination aus Halbtagsschule und Schulhort die Regel. Foto: Hirndorf

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Lust auf Argentinien?

Was passiert eigentlich in der Bildungsforschung in Argentinien? Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 25. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft werden am kommenden Wochenende einen Einblick erhalten – denn das erste Mal in der Geschichte der Tagung gibt es ein Gastland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem südamerikanischen Staat präsentieren ihre Arbeit in Vorträgen und Workshops.

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Link zum Dossier

Das große Bild – mit welchen Themen sich die Bildungsforschung in Argentinien befasst, welche Institutionen und Organisationen das Feld bestimmen – zeichnet ein Dossier von DIPF-Mitarbeiterin Nadia Cohen mit wichtigen Links und Kontakten, Themen und Trends für Forschende. Die Redakteurin betreut am Informationszentrum Bildung das Portal „Bildung Weltweit“ und erklärt, worauf sie bei der Recherche, Systematisierung und Aufbereitung geachtet hat:

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Bachelorarbeit am DIPF: Eine achtsame Entscheidung

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Jens-Steffen Scherer hat ein halbes Jahr am DIPF gearbeitet und hier seine Bachelorarbeit geschrieben.

WEGE IN DIE WISSENSCHAFT Jens-Steffen Scherer schließt gerade in Mannheim seinen Bachelor in Psychologie ab. Seine Bachelorarbeit hat der 23-Jährige als Praktikant am IDeA-Zentrum des DIPF geschrieben. Dem DIPFblog erklärt er, wie es dazu kam:

„Während meines Studiums habe ich festgestellt, dass ich mich für individuelle Lernvoraussetzungen und Bildungsfragen interessiere. Bei einer Internetrecherche gegen Ende meines Studiums bin ich auf das DIPF gestoßen und habe mich initiativ für ein Praktikum bei der Abteilung Bildung und Entwicklung beworben. Da mir bei meiner Abschlussarbeit wichtig war, einer eigenen Forschungsfrage nachzugehen, hat sich das Naheliegende ergeben: Ich konnte diese Arbeit am DIPF schreiben und eine Achtsamkeitsstudie durchführen.

Es hat wirklich alles gepasst: der Zeitpunkt, die Betreuung durch Sven Lindberg und die Forschungsumgebung. Dafür bin ich extra von Mannheim nach Frankfurt gezogen und habe insgesamt ein halbes Jahr am DIPF gearbeitet. Während der Interventionsphase meiner Studie haben ich und mein Team zwei Wochen lang täglich für 15 Minuten an einer Gesamtschule in Frankfurt Kurzzeit-Trainings zur Steigerung der Achtsamkeit mit den Schülerinnen und Schülern gemacht und anschließend evaluiert. Achtsamkeit ist eine besondere Form der Aufmerksamkeit, bei der es darum geht, den gegenwärtigen Moment wahrzunehmen, ohne ihn zu bewerten. Achtsamkeit in Schulen zu implementieren erscheint besonders vielversprechend, weil viele Auswirkungen mit dem Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler zusammenhängen. Meine Ergebnisse weisen darauf hin, dass für den Erfolg die Motivation der Kinder vorhanden sein muss. Außerdem liegt die Vermutung nahe, dass sich positive Effekte erst längerfristig einstellen.

Als nächstes werde ich nun von Neuseeland aus durch Südostasien reisen und bewusst einen Schritt zurücktreten, um aus einem anderen Blickwinkel neue Pläne schmieden. Momente zur Achtsamkeit – oder ‚mindfulness‘, wie es präziser auf  Englisch heißt – werden dabei sicherlich auch entscheidend sein.“

Neben der theoretischen Ausbildung an den Hochschulen sind Praktika für Studierende wichtig, um eine Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen. Durch ein Praktikum am DIPF (max. sechs Monate) können sich Studierende der Pädagogik, Soziologie und Psychologie oder Studierende aus den Bereichen Informations- und Kommunikationswissenschaften, Dokumentations- oder Bibliothekswesen durch Mitarbeit an Projekten oder im Tagesgeschäft effizient und wirklichkeitsnah auf das Berufsleben vorbereiten.

Anfragen nach einer Praktikumsstelle können an die in Projekten angegebenen Ansprechpartner/ Ansprechpartnerinnen oder die Abteilungssekretariate gerichtet werden.

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„OER immun gegenüber Einfluss durch Unternehmen“

DREI FRAGEN AN Axel Kühnlenz und Ingo Blees vom Informationszentrum Bildung (IZB) des DIPF, an dem neben zentralen Forschungs- und Informationsinfrastrukturen auch der Deutsche Bildungsserver koordiniert wird, beantworten Fragen zum Einfluss von Unternehmen auf Unterrichtsmaterialien, die Qualitätsstandards der einzelnen Portale des Bildungsservers und was sich durch die Open Educational Resources (OER) ändert.

Frage: „Der Deutsche Bildungsserver verfügt über unterschiedliche Portale, einen Newsletter und Dossiers zu aktuellen Themen. Unter anderem kann man bei Euch auch nach Unterrichtsmaterialien, Projektangeboten, Weiterbildungsangeboten, nützlichen Kontakten und anderen Informationen rund um Bildung suchen. Auch Nutzerinnen und Nutzer können etwas einstellen. Nach welchen Kriterien entscheidet Ihr, welche Links und Hinweise aufgenommen werden, beziehungsweise stehen bleiben können?“

Ingo Blees: „Sämtliche Einträge sind bei uns händisch und intellektuell geprüft, das heißt, wir beschäftigen dafür qualifizierte, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Derzeit sind es im engeren Sinne acht Bildungsserver-Redakteurinnen und -Redakteure an der Koordinierungsstelle hier am IZB des DIPF, die laufend Einträge ergänzen und aktualisieren oder Veraltetes löschen. Weiterlesen

Ganztagsschule: Auf dem Weg zu einem repräsentativen Überblick

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Dr. Jasmin Decristan ist Habilitandin am DIPF und forscht im Bereich Unterricht und Schule.

DREI FRAGEN AN Dr. Jasmin Decristan, DIPF-Koordinatorin der von vier wissenschaftlichen Einrichtungen verantworteten Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen(StEG). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben im Frühjahr 2015 mehr als 1.500 Leiterinnen und Leiter von Ganztagsschulen online befragt. Im Februar sollen die Ergebnisse als repräsentatives Abbild der Ganztagsschullandschaft veröffentlicht werden.

Frage: „Was ist das Ziel der Online-Schulleitungsbefragung?“

Decristan: „Eine der Aufgaben von StEG ist es, möglichst umfassend über den aktuellen Stand des Ausbaus und der Gestaltung von Ganztagsschulen zu informieren. In den vergangenen zehn Jahren hat es einen rasanten Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen in Deutschland gegeben. Nach Statistiken der Kulturministerkonferenz gab es 2013 bereits mehr als 16.000 öffentliche und private Ganztagsschulen. Das ist ein Anteil von 59 Prozent aller Schulen. Diese Zahlen können wir mit der Schulleitungsbefragung um inhaltliche Punkte erweitern. Diese Art von Erhebung hatten wir 2012 schon einmal durchgeführt, so dass wir nun auch Entwicklungen im Trend aufzeigen können. Weiterlesen

Welcome at DIPF, David Kaplan!

He is working towards rendering a 200-year old idea serviceable to educational research, became a methodologist almost by accident and is now our guest at DIPF. In an interview with DIPFblog, Professor Ph.D. David Kaplan from the University of Wisconsin-Madison, a specialist in applied statistics for educational research, talks about his life as a Humboldt fellow in Germany, different ways of working, and Bayesian statistics.

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